Die Toleranzlotsenausbildung an der Albert-Einstein-Schule Laatzen

Toleranzlotsen engagieren sich: Gegen Diskriminierung, für Respekt und Toleranz

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Entstehungsgeschichte und Hintergrund des Programms

Seit 2011 werden an der AES Laatzen jährlich 12 bis 18 Schülerinnen und Schüler ab dem 9. Jahrgang aus allen Schulzweigen ausgebildet. Einige der erfahrenen Toleranzlotsen aus den vorangegangenen Jahren begleiten und unterstützen dabei jeweils die neuen.

Ziel ist, dass die Toleranzlotsen ihrerseits Projekte mit jüngeren Schülerinnen und Schülern durchführen, um sie gegenüber Vorurteilen, Diskriminierung und Rassismus zu sensibilisieren und mit ihnen gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, wie man Konflikte fair und gewaltfrei lösen kann. 

Basis für die Toleranzlotsenausbildung ist das interkulturelle Trainingsprogramm „Eine Welt der Vielfalt“ (adaptiert nach „A World Of Difference“, Antidefamation League, USA), Methoden der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg und Präsentations- und Moderationsmethoden für Peertrainerinnen und -trainer. Alle Übungen sind handlungs- und erfahrungsorientiert und bieten die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen auszutauschen und zu reflektieren, die eigene kulturelle Identität bewusst wahrzunehmen, die der anderen besser zu verstehen und Schubladendenken zu vermeiden - wichtige Voraussetzungen, um Vorurteile abzubauen, sich für andere zu öffnen und Konflikte fair zu bearbeiten - Kompetenzen, die in einer Welt kultureller Vielfalt zunehmend wichtiger werden.

Der Ausbildung liegt ein Toleranzbegriff zugrunde, der nicht nur „Dulden oder Aushalten“ (lat. tolerare) von etwas (eigentlich Unerwünschtem), sondern Respekt, bewusste Akzeptanz und das aktive Eintreten für die Grundrechte anderer Menschen auf freie Meinungsäußerung, persönliche Werthaltungen und Lebensformen einschließt. In der Übung „Toleranzbilder“ geht es zum Beispiel auch darum, die Grenzen der eigenen Toleranz auszuloten und herauszufinden, welche Handlungsoptionen dann denkbar wären. Toleranzlotsen lotsen also Jüngere durch die nicht immer einfachen Gewässer des Zusammenlebens kultureller Vielfalt. Dies unterscheidet die Toleranzlotsen von den Konfliktlotsen, die konkrete Streitfälle moderieren.

 

Aufbau und Inhalt des Ausbildungsprogramms

Die Ausbildung zum Toleranzlotsen umfasst in dem Programm an der Albert-Einstein-Schule zweimal 50 Stunden (je ein Basis- und ein Weiterbildungsmodul), die in AG-Form, Projekttagen und Wochenend-Workshops durchgeführt werden. Anschließend bieten die Toleranzlotsen als Peertrainerinnen und -trainer eigene Projekttage oder kleine Workshops an, zum Beispiel in der jährlichen Projektwoche „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ oder auch für interessierte Klassen und Kurse, die sich mit dieser Thematik befassen wollen.

Exemplarisch ist die Ausbildung im vergangenen Schuljahr. Dabei wurden 17 Toleranzlotsen ausgebildet, begleitet von drei erfahrenen Schülern aus dem 11. Jahrgang und einer Studentin für Soziale Arbeit, die 2011 am ersten Pilotprojekt teilgenommen hatte. Sie haben im Januar 2015 erfolgreich zwei Auftaktprojekttage für vier 8. Klassen (zwei Hauptschul- und zwei Gymnasialklassen) im Rahmen der Positionierung der Albert-Einstein-Schule als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gemeistert und dort später zur Vertiefung zwei weitere Projekttage durchgeführt. 

Auch in diesem Schuljahr war das Interesse wieder sehr groß, sodass   16 neue Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden konnten. Zehn der „alten“ Toleranzlotsen haben weiter aktiv mitgearbeitet und die neue Gruppe unterstützt.

Ein Wort zu uns Trainerinnen, die wir die Toleranzlotsen ausbilden: Eine glückliche Fügung war es, dass wir als Lehrerinnen der AES beide eine zusätzliche Trainerausbildung haben - für das interkulturelle Trainingsprogramm „Eine Welt der Vielfalt“ und für Mediationsmethoden der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg.Die Ausbildung bewirkt neben vielen anderen Dingen, dass wir uns als Trainerinnen mit den Schülerinnen und Schülern nach kurzer Zeit „auf Augenhöhe“ begegnen können und eine offene, menschliche Kommunikation ermöglicht wird - eine verlässliche Basis für die gemeinsame Arbeit in der Gruppe und an unserer Schule.

 

Zukunftsausblick für die Toleranzlotsenausbildung

Seit vier Jahren können wir so bereits die Toleranzlotsenausbildung zu einem erfolgreichen, nachhaltigen Projekt an unserer Schule entwickeln, unterstützt von der Schulleitung und den Gremien der Schule, unseren Fördervereinen und besonders den Niedersächsischen Ministerien für Wissenschaft, Kultur und Soziales sowie das Kultusministerium. Seit Beginn des neuen Schuljahres hat die Stadt Laatzen die Förderung unseres Projektes übernommen, die zugrunde liegenden Mittel kommen aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“. Der Erfolg unserer Arbeit spiegelt sich dabei sowohl im alltäglichen Erleben in der Schulgemeinschaft wieder, als auch in der Multiplikatorenfunktion. So wurde die Integrationsarbeit an der Albert-Einstein-Schule Laatzen auf europäischer Ebene im Januar 2016 in der Vertretung des Landes Niedersachsen bei der Europäischen Union gemeinsam mit den Ministerinnen für Bildung, Wissenschaft und Kultur vorgestellt.

Ein neuer, spannender Schritt wird zukünftig die Vernetzung mit einer anderen Schule – der Erich-Kästner-Oberschule -in Laatzen sein, an der unsere Toleranzlotsen am 9. September  2015 einen Projekttag „Eine Welt der Vielfalt“ in einer 9. Klasse durchgeführt haben. 51 Schüler und Schülerinnen des 9. Jahrganges der AES haben sich für die neue Toleranzlotsenausbildung im Schuljahr 2015/16  angemeldet. Das zeigt, welchen großen Zuspruch das Projekt an der Albert-Einstein-Schule inzwischen findet.

 

Die aktuelle Ausbildung der Toleranzlotsen

Am 2.11.2015 begann die die diesjährige  Basisausbildung für 16  interessierte Schüler/innen beider Schulen, sodass künftig an beiden Schulen Toleranzlotsen als Peertrainer/innen arbeiten können. Wie in jedem Ausbildungsmodul nahmen die künftigen Toleranzlotsen und Toleranzlotsinnen auf den Wochenend-Workshop (20. – 22. November 2015), diese mal in der Jugendherberge in Mardorf, teil. Auf diesem Workshop wurden die Übungen zum Thema „Vielfalt der Kulturen“  und „ Möglichkeiten der gewaltfreien Kommunikation“ vertieft. Vor allem übten sich die angehenden Peertrainer in der Moderation und Präsentation. Es bildeten sich vier Teams. Jedes Peertrainerteam plante den kommenden sechsstündigen Workshop in einer achten  Klasse am 22.1. bzw. 25.1.2016.

In der Woche vor den Projekttagen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage trafen  sich alle Teams erneut, um den Projekttag in allen Einzelphasen sehr gründlich vorzubereiten. Für dieses erste „Feuertaufe“ erhielten alle Toleranzlotsen aus drei achten Klassen ein sehr gutes Feedback. Am 18.02. 2016 erhielten alle Toleranzlotsen ihr Zertifikat bei einer gemeinsamen Vorführung der Filmdokumentation der Ausbildung.

Zum Tag der offenen Tür sind Interessierte herzlich eingeladen, die Arbeitsweise der Toleranzlotsen zu erleben. Lernen Sie uns und unsere Arbeit kennen, informieren Sie sich und lassen Sie sich von dem nachhaltigen Erfolg unserer Arbeit überzeugen. Für Anfragen oder weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne auch außerhalb des Tages der offenen Tür an der Albert-Einstein-Schule zur Verfügung.

 

Ansprechpartner für die Toleranzlotsenausbildung

Inge Finck, Jahrgang 1957, Gymnasiallehrerin für Mathematik und Chemie, Trainerin  für Gewaltfreie Kommunikation, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bärbel Wetzig, Jahrgang 1948, Lehrerin i.R., Trainerin für „Eine Welt der Vielfalt“, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!